Dorf Lübars
Hier is' allet möglich!", so heißt es im Berliner Volksmund. Dass dies auch wirklich so ist, davon kann man sich unter anderem in Reinickendorf  überzeugen. Eingebettet in weite Felder liegt dort versteckt das idyllische Lübars, ein kleines märkisches Dorf inmitten der weiten Großstadt. Pferdehöfe, weite Koppeln, verspielte Vorgärten und Enten auf der Wiese.  Zu Mauerzeiten galt Lübars als Westberliner Vorzeigedorf. Seinen ländlichen Charme und ursprünglichen Charakter hat es sich bis heute erhalten. Die Glocke der Dorfkirche schlägt zwölf Uhr mittags, die knorrigen Bäume auf dem Dorfanger wiegen sich im Wind, Sonnenstrahlen spielen auf dem Kopfsteinpflaster. Kaum eine Menschenseele ist zu sehen,  nur vereinzelt hört man Pferde in der Ferne wiehern. Kaum zu glauben, dass man sich noch innerhalb der Berliner Stadtgrenzen befindet. Abseits von größeren Straßen und Eisenbahnwegen blieb die bäuerliche Struktur in keinem anderen von Berlin eingemeindeten Dorf so erhalten. Die geschützte Lage hinter den Rollbergen hat Lübars vor größeren Veränderungen bewahrt. Am ältesten ist die Straße Alt-Lübars, lang und uneben. Der interessierte Geschichtsfreund muss seinen Blick nach unten richten, auf das Kopfsteinpflaster, das bunt durcheinander und etwas olprig den Dorfkern durchwandert. Teile der Straße stammen aus der Gründerzeit des Dorfes, sie sind bis zu achthundert Jahre alt. Damals wurden die kräftigen Steine zur Pflasterung der Dorfstraße von den Feldern der Umgebung geholt. Nach der Überlieferung ist Lübars nur zehn Jahre jünger als Berlin. Das Dorf ist einer der sechs historischen Dorfkerne des Bezirks Reinickendorf. Im Jahre 1247 wurde es erstmals urkundlich erwähnt, mittlerweile steht es unter Denkmalschutz. Jahrhunderte lang war das Dorf im Besitz von Spandauer Nonnen. Die Lübarser Bauern zahlten brav ihre Abgaben, Wachs und vor allem Honig kamen dem Spandauer Kloster zu. Vor dem Zweiten Weltkrieg soll es Störche im Dorf gegeben haben. Einer Legende nach hieß es, dass es ohne die Lübarser Störche keine Kinder in Berlin gebe. Störche findet man heute keine mehr in Lübars, aber dafür zieht es viele  Ausflügler in das Dorf. Besonders schön ist die Dorfkirche mit ihrem barocken Altar, die 1793 gebaut wurde, nachdem die alte Kirche durch einen Brand zerstört worden war. Gleich hinter der Kirche befindet sich die freiwillige Feuerwehr und das alte Dorfschulhaus. Hier wurde noch bis 1920 eine Klasse unterrichtet. Nach einem ausgiebigen Ausflug sind das Gasthaus "Alter Dorfkrug" und der "Labsaal" schöne Orte, um sich eine Feinschmeckerpause in historischem Ambiente zu gönnen. In Lübars hat eben alles Tradition, auch das Essen. ------------------------------ Foto: Hier stört niemand: In der Lübarser Dorfkirche ist innere Einkehr möglich.